Meisterbrief

Neue Rhein Zeitung, 15.11.2007

 

Werner Maas wurde in Essen geboren, ist aber ansonsten ein waschechter Reeser.

 

Als er im Krieg mit seiner Mutter in Essen evakuiert war, gelang es dem damals Zwölfjährigen in einem kleinen Schrebergarten Kartoffeln anzubauen. Als der Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und Sohn Werner stolz den gefüllten Kartoffelsack präsentierte, strahlte der Vater:"Wunderbar, dafür kann ich in Solingen Werkzeug kaufen und wieder meine Firma aufbauen." Werner Maas legte als Kind schon damals den Grundstock für das Unternehmen.

 

Gestern wurder der Elektro- und Sanitärmeister von der Innung mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet, den ihm Innungsobermeister Gerhard Böcker überreichte. Nach dem Krieg bezog die Familie im Haus Laakmann eine Zweizimmerwohnung. "Im Schlafzimmer hatten wir ein kleines Lager eingerichtet, im Keller war die Werkstatt", erinnert sich Werner Maas.

 

Sieben Familien lebten damals hier unter einem Dach. Im Jahr 1954 zog Firma Maas wieder in die Kapitelstraße, vis á vis der ehemaligen Firma. 1964 übernahm Werner Maas die Firma vom Vater. Mit dem Aufkommen von Gasheizungen bildete er sich 1965 zum Gas- und Wasserinstallateur weiter. Der erste große Auftrag war in den 60er Jahren der Umbau der Firma DRAI. Auch das Reeser Krankenhaus zählte zu den treuen Kunden. "Aber unser Geschäft konzentriert sich mehr auf den Privatkunden, weniger auf den Bau. Das hat mir damals schon mein Vater mit auf den Weg gegeben", schmunzelt Werner Maas, der seine Lehre im elterlichen Betrieb absolviert hat.

 

Heute führen seine beiden Söhne das Unternehmen, Sohn Markus untersteht der Bereich Bad und Sanitär, Sohn Albert Elektro- und Kommunikationstechnik.
Und als einmal Werner Maas einer Erkrankung ein halbes Jahr als Meister im Betrieb ausfiel, übernahm seine Frau Maria das Geschäft. Und führte es so souverän, dass die Gesellen ihr einen "Meisterbrief" verliehen. "Überhaupt liegt der Erfolg der Firma in den Mitarbeitern und da sind wir sehr stolz, dass sie so lange bei uns arbeiten, 36, 29 und 20 Jahre sind sie für uns tätig", sagt Werner Maas nicht ohne Stolz. Engagiert hat er sich auch in der Kommunalpolitik, war im Vorstand der Innung und zehn Jahre ihr Obermeister.


Viel hat sich in den vergangenen 50 Jahren verändert. Und nicht ohne Stolz blickt der Senior in den Ausstellungsraum mit exklusiven Bädern.
Und wenn er auch damals als Kind tief enttäuscht war, dass seine Kartoffeln nicht gegessen werden durften, und er statt dessen Hunger leiden musste, weiß er heute:"Es war die richtige Entscheidung".

 

Foto: Dirk Schuster